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„Umstellung nimmt mehr Zeit in Anspruch“

Auslandsgeschäft: Rhenocoll setzt auf umweltverträgliche Systeme und ein breites Sortiment

Der Beschichtungs- und Klebstoffhersteller Rhenocoll hat sein Sortiment in der Vergangenheit sukzessive erweitert und ist nun breit aufgestellt. Trotzdem bleibt das Unternehmen in Teilen hochspezialisiert und bietet ein fast komplettes Portfolio an umweltverträglichen Produkten an. Denn nur so lassen sich die Verkaufschancen im Ausland weiter erhöhen und die Position im Wettbewerb stärken, sagt Geschäftsführer Werner Zimmermann.

 

Sie sind mit Ihrem Angebot sehr breit aufgestellt. Welche Vorteile bieten sich im Konkreten für Sie?

Werner Zimmermann: Bereits vor über 25 Jahren haben auch wir uns spezialisiert. Doch für unsere stark wachsenden Exportaktivitäten waren die Liefermengen zu gering und unsere Abnehmer wollten ein höheres Volumen und weitere Produkte von uns beziehen, etwa Beschichtungen für den Baubereich. So haben wir begonnen wieder Commodities in unser Sortiment aufzunehmen, wie Klebstoffe, Fassaden- und Wandbeschichtung und Holzlacke. Trotzdem sind wir in den Segmenten der industriellen Holz-, Kunststoff- und Glasbeschichtungen weiterhin hochspezialisiert. Dies wird auch so bleiben.

 

Wie hoch ist Ihre Exportquote? Wo liegen Ihre Absatzmärkte?

Zimmermann: Mit dem Export erzielen wir rund 85 % unseres Gesamtumsatzes. Das Auslandsgeschäft in Asien, primär China und der wachsende indische Markt, nimmt etwa 30% ein. Rund 40% erzielen wir in Osteuropa, vornehmlich im russischen Sprachraum. Die Region Mittlerer Osten ist für zirka 20 % unserer Exportaktivitäten verantwortlich. Die restlichen 10 % verteilen sich auf Südamerika und das übrige europäische Ausland.

 

Inwiefern sehen Sie in diesen Regionen Potenzial zu wachsen?

Zimmermann: In Osteuropa ist die Lage durch die wirtschaftliche Situation nicht einfach. Wir erwarten jedoch uns kurz. bis mittelfristig gegen die Wettbewerber durchzusetzen und Wachstum zu erzielen, insbesondere in unseren Spezialisierungssegmenten.

Bei der Spezialisierung sehen wir in Asien einer positiven Entwicklung entgegen. Obwohl es dort generell viel Wettbewerb gibt, treten in dem oberen Preissegment unserer Produkte nur wenige Mitteleuropäer als Wettbewerber auf.

Der mittlere Osten zählt auf jeden Fall zu einer Wachstumsregion nut viel Potenzial für uns. In Südamerika sehen wir das ähnlich und beginnen dort Partnerschaften aufzubauen, da der Markt dort zunehmend auf emissionsarme Systeme und zunehmend auch wässrige Lösungen umstellt. Das gilt insbesondere für das Segment Holz und für die Nachfrage bei industriellen Anwendern.

 

Sie sind in vielen Geschäftssegmenten tätig. Welchen Anteil haben die jeweiligen Segmente am Gesamtumsatz?

Zimmermann: Mit der Spezialisierung erzielen wir knapp über 50 % unseres Jahresumsatzes. Industrielle Holzbeschichtungen machen etwa 40 % aus, Kunststoffbeschichtungen 10 % und Glasbeschichtungen 5 %. Mit den Commodities erwirtschaften wir 25 % und mit den Holzklebstoffen die übrigen 20 % der Erlöse.

 

Wie werden sich Ihrer Meinung nach die einzelnen Segmente entwickeln?

Zimmermann: Vor allem in der Spezialisierung erwarten wir in allen Märkten zu wachsen. In den Wachstumsmärkten im Osten Europas, in Asien und Südamerika können wir alte Systeme mit neuer Technologie ersetzen. Dies nimmt in diesem Segment in den verschiedenen Regionen teilweise mehr Zeit in Anspruch, als hier. Über die Commodities füllen wir die Volumenlücken aus, bei denen jedoch nur moderate Steigungsraten zu erwarten sind.

 

Wie hoch ist der Anteil an umweltverträglichen Produkten in Ihrem Portfolio?

Zimmermann: Der Anteil an umweltverträglichen Produkten in unserem Sortiment ist äußerst hoch und liegt bei zirka 99,5 %. Wir sehen dies als Notwendigkeit, um bessere Verkaufschancen im Ausland zu erzielen. Insbesondere bei den Commodities haben wir deutlich mehr Wettbewerber, mit neuen Technologien und umweltfreundlichen Produkten können wir uns vom Wettbewerb abheben.

 

Welche Schwerpunkte setzen Sie derzeit in Ihrer F&E-Arbeit? Welche Segmente sind bei der Forschung gegenwärtig im Fokus?

Zimmermann: Unsere F&E konzentriert sich stark auf die Spezialisierungssegmente der industriellen Holz-, Kunststoff-, und Glasbeschichtungen. Nanoeffekte sowie sonstige Spezialeffekte wie zum Beispiel Easy-to-clean, Wärmereflexion in Cool-Colour-Systemen und vieles Mehr sind Themengebiete die wir bearbeiten.

Aber wir sind auch schon seit längerem auf der Suche nach alternativen Rohstoffen. Insbesondere die Preis- und Liefersituation auf dem Rohstoffmarkt ist derzeit eine hohe Belastung. Wir versuchen bei den Commodities Alternativen auch aus anderen Regionen zu beziehen. Bei den Commodities versuchen wir soweit wie möglich umzustellen. Gelingt uns dieses erfolgreich können wir es dann auch auf die Spezialisierungssegmente übertragen.

Dieses Interview führe Damir Gagro (Farbe und Lacke)